Um diese Frage gleich einmal vorweg zu beantworten - Ja, das Fensterln ist durchaus traditionell in der Geschichte Oberbayerns verwoben. Das heutige Zeitalter von Flirtapps und der offene Umgang mit Beziehungen aller Art, hat es nur ganz einfach überflüssig gemacht.

Das Fensterln als Brauch stammt aus einer Zeit in der es verpönt war, sich als unverheiratetes Paar öffentlich auf der Straße zu zeigen. Um das gemeinsame Glück trotzdem genießen zu können, musste eine andere Lösung gefunden werden. Im Schutz der Dunkelheit stiegen die jungen Verehrer deshalb zu dem Kammerfenstern ihrer Angebeteten hinauf und baten um Einlass, oder zumindest einige Zärtlichkeiten am Fenster. Die Schlafzimmer lagen in alten Bauernhäusern meist im ersten Stock. Wäre man durchs Haus geschlichen, hätte man riskiert die Eltern aufzuwecken. Die Verehrer nutzten daher Leitern, um direkt in die Zimmer der Damen zu gelangen.

Gemeinsames Fensterln und Rivalitätskämpfe

Wohnten in einem Haus mehrere heiratsfähige Frauen, bildeten sich sogar Fensterln-Gemeinschaften, die sich gegenseitig dabei halfen unentdeckt zu ihren Liebsten zu gelangen. Auf der anderen Seite sorgte der Brauch jedoch auch für Rivalitäten. Gerade bei besonders begehrten Frauen war es nicht unüblich, dass sich gleich mehrere Bewerber unter dem Fenster versammelten. Tätliche Auseinandersetzungen blieben da nicht aus. Um sich zu rächen, hatte man im Anschluss aber eine einfache Möglichkeit: Sobald der Konkurrent im Zimmer verschwunden war, entfernte man ganz einfach die Leiter, sodass ein einfaches Zurückklettern nach der Liebesnacht unmöglich wurde. Heute wird das Fensterln nur noch selten und aus Spaß betrieben. Schließlich darf mittlerweile ganz offen um die Zuneigung einer Dame geworben werden.

Fensterln - Aber nicht auf leeren Magen

Fensterln war eine anstrengende Angelegenheit. Die Bewerber sollen sich daher mit guter, bayerischer Hausmannskost gestärkt haben. Beispielsweise mit gebackenen Reibekuchen und Blutwurstbällchen mit Gewürzapfel und Majoran. 

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